Januar 9, 2026
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Warum manche Studierende ihren Nebenjob niemandem erzählen

Viele denken bei Nebenjobs im Studium an Kellnern, Nachhilfe oder Paketdienst. Ist ja auch oft so. Man ackert ein paar Stunden. Man verdient ein bisschen Geld. Und hofft, dass es irgendwie reicht.

Aber es gibt auch Nebenjobs, über die man nicht spricht. Nicht mal mit den besten Freunden. Nicht mal mit der Familie. Man sagt dann sowas wie: „Ich arbeite halt nebenbei.“ Punkt. Themawechsel.

Einer dieser Jobs kann Escort sein. Also bezahlte Begleitung. Manchmal auch im Rahmen von Sexarbeit. Nicht als Fantasie. Sondern als Entscheidung im echten Leben. Und genau da fängt das Schweigen an.

Geld, Zeit, Druck – und das Gefühl, keine Wahl zu haben

Studium ist heute oft kein gemütliches „Find dich selbst“. Es ist ein Dauerlauf. Module, Deadlines, Prüfungen. Dazu Miete, Versicherung, Essen. Und nebenbei soll man noch fit bleiben, freundlich sein und eine Karriere planen.

Viele Studierende stehen irgendwann an einem Punkt, wo sie merken: Ein normaler Nebenjob frisst Zeit, die sie nicht haben. Acht Stunden Schicht. Danach noch lernen. Das geht eine Weile. Dann kippt es.

Und dann kommt dieser Gedanke, den viele nie laut aussprechen: „Ich brauche Geld. Schnell. Und ich kann nicht noch mehr Stunden arbeiten.“

Escort wirkt dann auf manche wie ein Ausweg. Weil es im Vergleich zu Mindestlohn-Jobs oft so wahrgenommen wird: Escort werden und dann weniger Stunden bei mehr Geld. Ob das wirklich so „einfach“ ist, ist eine andere Frage. Aber der Gedanke ist da. Und der Druck schiebt ihn nach vorn.

Scham ist nicht immer logisch, aber sie ist real

Selbst wenn jemand hinter der Entscheidung steht, bleibt oft Scham. Nicht, weil die Person „schlecht“ ist. Sondern weil die Gesellschaft bei dem Thema sofort urteilt.

Viele haben Angst vor diesen Labels:

  • „Die hat doch keinen Respekt vor sich selbst.“
  • „Der macht das bestimmt nicht freiwillig.“
  • „Das ist doch ekelhaft.“
  • „Wie kann man so was machen?“

Das sind Sätze, die sitzen. Und die sorgen dafür, dass Menschen lieber schweigen. Man will nicht diskutieren. Man will nicht erklären. Man will nicht verteidigt werden müssen.

Und ganz ehrlich: Viele haben auch keinen Bock, dass der eigene Wert plötzlich an einem Nebenjob festgemacht wird.

Doppelleben ist anstrengend, aber manchmal gefühlt sicherer

Wenn man etwas tut, das andere stigmatisieren, fängt man an zu trennen. Zwei Welten.

Uni-Welt: Seminar, Lerngruppe, Bibliothek, WG-Küche.
Privat-Welt: Familie, alte Freunde, Partner, Insta.
Und dann die dritte Welt, über die niemand was wissen soll.

Das kostet Kraft. Weil man ständig aufpasst:

  • Was sage ich, wenn jemand fragt, wo ich arbeite?
  • Warum habe ich mehr Geld als andere?
  • Warum bin ich manchmal plötzlich „nicht verfügbar“?

Viele erzählen deshalb lieber eine harmlose Version. „Ich mache Social Media.“ „Ich arbeite im Eventbereich.“ „Ich habe private Kunden.“ Irgendwas, das nicht nachfragt.

Nicht, weil sie lügen wollen. Sondern weil sie Ruhe wollen.

Angst vor Konsequenzen: Ruf, Studium, Zukunft

Ein großes Thema ist der Ruf. Studierende leben in kleinen Welten. Fachbereiche sind klein. Städte sind klein. Menschen reden.

Viele haben Angst:

  • dass Kommilitonen es rausfinden
  • dass Dozenten es mitbekommen
  • dass es im Nebenjob-Umfeld zu Stress kommt
  • dass es später bei Bewerbungen irgendwie auftaucht

Ob das realistisch ist oder nicht: Die Angst ist da. Und sie reicht, um zu schweigen.

Dazu kommt: Wenn du einmal „die Person mit dem Escort-Job“ bist, wirst du in manchen Köpfen nie wieder irgendwas anderes sein. Auch wenn du ein gutes Studium machst. Auch wenn du klug bist. Auch wenn du korrekt bist.

Der häufigste Grund: Man will nicht reduziert werden

Das ist vielleicht der wichtigste Punkt. Viele Menschen haben kein Problem damit, dass sie etwas Bestimmtes tun. Sie haben ein Problem damit, was andere daraus machen.

Sie wollen nicht reduziert werden auf:

  • eine Phase
  • eine Entscheidung
  • eine Tätigkeit

Sie wollen als Mensch gesehen werden. Als Studentin. Als Student. Als jemand mit Plänen. Mit Grenzen. Mit Würde.

Und genau da passiert oft das Gegenteil. Escort wird von außen schnell zum „ganzen Leben“. Dabei ist es für viele nur ein Teil. Manchmal nur eine kurze Strecke. Manchmal eine Lösung in einer finanziell harten Zeit.

Grenzen, Kontrolle, Selbstschutz – Dinge, über die man nicht gern spricht

Ein weiterer Grund fürs Schweigen: Wer Escort macht, muss oft stärker auf Grenzen achten. Nicht nur körperlich. Auch mental.

Man muss sich fragen:

  • Was ist okay für mich?
  • Was ist nicht okay?
  • Wie bleibe ich bei mir?
  • Was mache ich, wenn es mir damit schlecht geht?

Das sind schwere Fragen. Und viele wollen die nicht mit Leuten diskutieren, die sowieso schon mit Vorurteilen reingehen.

Dazu kommt: Nicht jeder versteht, dass „schnelles Geld“ nicht automatisch „leichter Job“ heißt. Viele unterschätzen, wie belastend das sein kann. Und wer das Thema anspricht, muss oft gleich alles erklären. Das macht müde.

Und ja: Rechtliches spielt auch rein

In Deutschland ist Sexarbeit grundsätzlich legal, aber geregelt. Es gibt Vorgaben, zum Beispiel rund um Anmeldung und Schutz. Das ist ein weiteres Feld, über das viele nicht reden wollen. Schon allein, weil es privat ist. Und weil es schnell nach „amtlicher Akte“ klingt.

Viele möchten ihr Leben nicht noch komplizierter machen. Also wird es weggeschoben. Still gehalten. So gut es geht.

Was man aus dem Ganzen mitnehmen kann

Wenn Studierende ihren Nebenjob verheimlichen, geht es selten um Drama. Es geht um Alltag. Um Schutz. Um Kontrolle über das eigene Bild.

Viele schweigen, weil sie wissen: Ein Teil der Leute wird nicht zuhören. Der wird urteilen.

Und manche schweigen, weil sie selbst noch nicht sicher sind, wie sie es einordnen sollen. Ob es eine Übergangsphase ist. Ob es ihnen schadet. Ob es ihnen hilft. Ob sie es bereuen werden.

Das ist nicht „schwach“. Das ist menschlich.

Am Ende bleibt ein einfacher Satz:
Nicht jeder Nebenjob ist erzählbar. Nicht, weil er illegal ist. Sondern weil die Reaktion der anderen oft das eigentliche Problem ist.