GRAFIK: Philip II. aus dem Alexandertext
Einleitung:
In den nun folgenden Darlegungen sollen
die Gründung des Korinthischen Bundes 337 und seine Bestimmungen erläutert
werden. Dafür bilden hauptsächlich Quellen die Grundlage für
die Erarbeitung .
Besondere Aufmerksamkeit wird hier dem
Gründungseid des Korinthischen Bundes, welcher in den Inscriptiones
Graecae zu finden ist, gelten. Im Verlauf der Abhandlungen erscheint
als erstes eine kurze Zusammenfassung der Aktivitäten Philipps in
Griechenland ausgehende von der Schlacht bei Chaironeia, die das griechische
"Schicksal" besiegeln sollte. Diese Informationen widerspiegeln die Vorgeschichte
des Korinthischen Bundes . Die anschließenden Überlegungen beschreiben
die Gründung des Bundes . Hier ist zu klären, was sich hinter
dem Begriff koinh eirhnh verbirgt.
In den weiteren Darlegungen geht es um
die nähere Betrachtung der Aufgaben und Bestimmungen des Korinthischen
Bundes. Hier werden die einzelnen Organe aufgezeigt und kurz beschrieben.
Die Quellen von Diodor,die Pseudo-Demosthenes Rede sowie der oben genannte
Gründungseid bilden dafür die Grundlage. Der Schlußteil
stellt eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse in komprimierter
Form dar. In der anschließenden Fehlerbetrachtung soll nochmals auf
die Problematik beim Deuten der verschiedenen Quellen hingewiesen werden,
um eine objektive Betrachtung der Ausarbeitung zu ermöglichen. Den
Abschluß bildet dann das Quellen – und Literatur-verzeichnis.
Die Konflikte Griechenlands mit Philipp
II im Vorfeld des Korinthischen Bundes
Die Konflikte zwischen Athen und Philipp verschärften sich seit 342/41. Höhepunkt dieser Auseinandersetzungen war die Kaperung der athenischen Getreideflotte durch Philipps Armee. Danach erklärte Athen Makedonien den Krieg. Zu einer direkten Konfrontation zwischen den verfeindeten Parteien kam es jedoch noch nicht, vielmehr beschränkten sich die Streitigkeiten größtenteils auf die Chersones.
" ... und erst als der amphiktionische Krieg gegen Amphissa beschlossen wurde und Philipp in der Herbstpylaia 339 den Oberberfehl erhielt, rückte er an den athenischen Kernraum heran."
Höhepunkt der Auseinandersetzungen war die Schlacht bei Chaironeia, der Schlacht, in der sich Philipp die Vormachtstellung in Griechenland sichern sollte. Nach Diodor wird diese Schlacht auf 338 datiert. Er schreibt:
"Als in Athen Charondas Archon war... . In diesem Jahr wollte der König Philipp, nachdem er der Freundschaft der meisten griechischen Staaten sich versichert hatte, die Athener in Furcht setzen, weil er die unumstrittene Vorherrschaft von Griechenland zu erlangen strebte."
Dieses Bestreben gipfelte in der Schlacht
bei Chaironeia. Die Truppen und Verbündeten unter athenischer Führung
verloren. Der Heerführer Lysikles wurde in Athen hingerichtet.
In den Augen der Athener, insbesondere
des Anklägers Lykurgus, habe der Feldherr dafür die Verantwortung
zu tragen, ganz Griechenland in die Knechtschaft getrieben zu haben.
Der Zerfall des Hellenenbundes wird als
eine Folge der Niederlage bei Chaironeia angesehen. Nach der Niederlage
bei Chaironeia versuchte Athen sich neu zu organisieren. An verschiedene
Staaten schickte die Führung in Athen Hilfegesuche, so zum Beispiel
nach Andros, Keos, Troizen und Epidauros. Jedoch gelang es Athen nicht,sich
zu reorganisieren, denn nach Zerfall des Hellenenbundes gab es keine übergreifende
Struktur mehr, da sich jeder "um sich selbst" kümmerte.
" Mit dem Sieg Philipps II. von Makedonien über den Hellenischen Bund unter Athens Führung in der Schlacht bei Chaironeia endete praktisch die Epoche der Poleis, des freien und autonomen Stadtstaates."
Es blieb der athenischen Führung nichts
anderes übrig, als die Vormachtstellung Philipps anzuerkennen. Phillipp
sorgte währenddessen für eine politische Neuordnung in Boiotien.
Die Anhänger antmimakedonischer Politik und oftmals Verbündete
Athens bei Chaironeia wurden hingerichtet beziehungsweise ins Exil geschickt.
Im selben Jahr schickte Philipp Demades mit einem Friedensangebot nach
Athen. Daraufhin entbot Athen eine Gesandtschaft zu Philipp. Ihr gehörten
wahrscheinlich Aischines, Demades und Phokion an.
Tatsächlich kommt es auch zum Friedensschluß
zwischen den beiden verfeindeten Parteien. Um die Beziehungen zwischen
den einstigen Bündnispartnern wieder zu stärken, überließ
der Makedone den Athenern Oropos, welches sie während lang andauernder
Auseinandersetzungen mit Theben nie erringen konnten. Pausanias schreibt
über diese Gegebenheit:
"Das oropische Land zwischen Attika und Tanagrika, das anfangs den Boiotiern gehörte, besitzen gegenwärtig die Athener, welche die ganze Zeit um dasselbe Krieg geführt und festen Besitz aber nicht eher erlangt haben, als bis Philippus nach der Einnahme von Theben es ihnen überließ."
Ein weiterer Bestandteil des Friedens war, daß die Klerucheninseln Lemnos, Imbros, Skyros und Samos weiterhin zum Einflußgebiet Athens gehörten.
"Die Athener sollen besitzen, was sie unter Philipp und Alexander hatten, ... . Samos geben wir den Athenern, weil es ihnen auch der Vater Philipp gegeben hat."
Über die Vereinbarungen Makedoniens
mit den anderen Kriegsgegnern von Chaironeia ist kaum etwas bekannt.
Aus den Quellen geht jedoch hervor, das
Philipp es gestattete, während des Krieges zerstörte Städte
wieder aufzubauen. Außerdem nimmt Philipp 338 die "Klärung"
der territorialen Fragen auf der Peleponnes in Angriff. Um diese offenliegenden
Fragen durchzusetzen, unternimmt der Makedone einen Feldzug auf die Peleponnes,
der zu Lasten Spartas ging, da die Spartaner nicht mehr in der Lage, waren
Philipp zu stoppen.
Sparta verlor nach den Grenzänderungen
strategisch wichtige Zugangsmöglichkeiten in die Gebiete der Peloponnes.
Über diese Gebietsänderungen sollte dann, so Polybios, nicht
Philipp, sondern ein Tribunal aller Griechen entscheiden
"... indem er sich nicht etwa selbst zum Richter über die streitigen Fragen auf wart, sondern ein gemeinsames Gericht, in dem alle Hellenen vertreten waren, einsetzte."
Diese Veränderungen wurden dann im
Vorfeld und während des Kongresses zu Korinth beraten und nur noch
formell bestätigt. Diese Deutung, ausgehend von Polybios, ist jedoch
umstritten, denn Ida Calabi geht davon aus, daß Philipp im Herbst
338 ein hellenisches Schiedsgericht installierte, das über diese Kontroversen
entschied. Wahrscheinlicher ist jedoch die erstgenannte Deutung, da man
davon ausgehen kann, daß die Nutznießer der Grenzänderungen
sich das Neue noch einmal bestätigen ließen.
Diese genannten kurz zusammengefaßten
Aktivitäten Philipps gingen der Gründung des Korinthischen Bundes
voraus. Die Gebietsänderungen werden im weiteren Verlauf der Hausarbeit
im Bezug auf Bestimmungen und Aufgaben des Korinthischen Bundes noch an
Bedeutung gewinnen. So sind sie wahrscheinlich ein Grund dafür, daß
Sparta an der konstituierenden Sitzung nicht teilnahm. Außerdem lassen
sie erkennen, daß Philipp sehr milde mit seinen Kriegsgegnern von
Chaironeia verfahren ist:
"... these diplomatic practies was one of the ways to make a king acceptable and, perhaps, to reduce the psychological barrier between the hegemonic leadership of a Macedonian king and that of a polis."
Im Hinblick auf die Bestrebungen Philipps,
der mit Persien Krieg führen wollte, war diese Feinfühligkeit
gegenüber der Griechen, die er als Partner gewinnen versuchte, notwendig.
Ohne die Griechen hätte Philipp einen Kampf gegen das Perserreich
nicht riskieren können. Außerdem fehlte es ihm dann an dem nötigen
Motiv für einen Angriff .
Die meisten Gegner Philipps erkannten
dennoch die Erfolglosigkeit eines "Aufbegehrens" gegen den Makedonen und
lehnten sich seiner Politik an oder versuchten friedliche Arrangements
zu treffen.
Die Gründung des Korinthischen
Bundes
Im Sommer 337 versammelten sich die griechischen Staaten, möglicherweise in Abwesenheit Spartas, in Korinth:
"Als in Athen Phyrinichus Archon war,... . In diesem Jahr strebte Phillip, Vorsteher von ganz Griechenland zu werden, nachdem er durch den Sieg bei Chaironeia kühner geworden war und die angesehensten Städte vor ihm sich fürchteten."
Umstritten ist allerdings die Rolle Spartas
bei den Friedensbemühungen. Zum einen ist es möglich, daß
die Lakedeimonier gar nicht erst Gesandte nach Korinth schickten, zum anderen
ist auch denkbar, daß die Spartaner dem allgemeinen Landfrieden nicht
zustimmten. Mit großer Sicherheit ist festzustellen, daß neben
den Athenern, Boiotiern und Peloponesiern auch die Polis Thrakiens, Inselstaaten
des Ionischen Meeres und der Ägäis, die Thasier,
Ambrokioten, die Phoker, die Lokrer, die
Dolpher, die Perrhaiber, die Kephanllenier sowie die Thessaler und die
Oitaier dem Korinthischen Bund beitraten. Athen scheint aber auch hier
eine Sonderstellung eingenommen zu haben, die später noch erläutert
werden wird.
Der Korinthische Bund erreichte durch die hohe Mitgliederzahl eine Vereinigung, wie es sie in der griechischen Welt bis dahin noch nicht gegeben hatte. Philipps Beweggründe für den allgemeinen Landfrieden (koinh eirhnh)sind klar. Nur mit einen vereinten Griechenland konnte der makedonische König einen Krieg gegen Persien führen und erfolgreich zu Ende bringen. Dazu mußte er die Vorherrschaft in Griechenland gewinnen. Philipp scheint dieses Vorhaben,eine koinh eirhnh zu schließen und ihr ein Synhedrion beizugeben, gleich nach dem Sieg bei Chaironeia bekanntgegeben zu haben. Als diese Ziele Philipps in Athen bekannt wurden, kam es zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Demades und Phokion. Phokion empfahl, die Forderungen Phillips anzunehmen, jedoch in eine koinh eirhnh solange nicht einzuwilligen, bis geklärt war, was der Makedone von ihnen verlangte.Damit stellte er sich gegen den Antrag des Demades, Athen solle schnellstmöglich am Synhedrion und damit am Bund der Hellenen teilnehmen:
"... daß man das Wohl der Stadt Phokion anvertraute. Dieser hielt es für nötig, sich den Verfügungen Philippos zu unterwerfen und die sehr gemäßigten Bedingungen, die er vorschrieb, anzunehmen."
Die Athener aber, verfolgt man Plutarchs
Phokion Biographie weiter, ließen sich vom Antrag des Demades mehr
überzeugen und erklärten ihren Beitritt zum Bund und Synhedrion,
ohne vorher abzuschätzen, welche Lasten sie damit auf sich nehmen
würden.
Die Teilnahme am Kongreß in Korinth
selbst war jedoch unumstritten in Athen, da man sich diesem Wunsche Philipps
beugen mußte. Ein Ablehnen der Teilnahme am Kongreß hätte
zu erneuten Spannungen zwischen Philipp und Attika geführt, da ihnen
bereits im vorher geschlossenen Separatfrieden empfohlen worden war, an
der koinh eirhnh teilzunehmen. Man kann mit
relativer Sicherheit feststellen, daß Athen der koinh
eirhnh bereits vor dem Kongreß in Korinth den Beitritt
erklärte, obwohl sie wußten, daß dies mit Aufwendungen
verbunden sein würde und die Pläne Philipps, einen Krieg gegen
Persien zu führen, weitestgehend bekannt waren. Diese bereits o.g.
Sonderstellung Athens ist bei der Gründung des Bundes zu berücksichtigen.
Plutarch berichtet weiter:
"... daß die Athener diesen Schritt bereuten, weil sie dem Philippos Galeeren und Reiter stellen mußten,... ."
Philipp unterstützte jedoch den freiwilligen Beitritt Athens, indem er es zuließ, daß Sparta abseits blieb. Die Konstituierung des Korinthischen Bundes verlief in zwei Phasen. Zunächst trafen sich die Abgesandten der Griechen in Korinth, und Phillipp unterbreitete ihnen seine Vorstellungen und Forderungen. Nach anschließenden Diskussionen und eventuellen Abänderungsanträgen legten dann die Gesandten das fertige Vertragswerk in ihrer Heimat vor und ließen es bestätigen. Im Anschluß daran begaben sich die Delegierten erneut nach Korinth und bildeten das Synhedrion des Bundes. Die in Athen gefundene Inschrift des Gründungseides beweist, daß es einen Vertrag gab und dieser auch in aller Form beschworen wurde.
" Ich schwöre bei Zeus ... und allen Göttern und Göttinnen. Ich werde festhalten am Bündnis und ich werde nicht brechen den Vertrag der mit Phillipp dem Makedonen besteht, ... ."
Mit dem in Korinth beschlossenen allgemeinen Landfrieden ging möglicherweise noch eine Symmachie einher. Diese Vermutung wird unterstützt durch Arrians drittes Buch, wo er von einem Bündnis zwischen Griechen und Makedoniern berichtet. Er schreibt von Freilassungen von Griechen während der Feldzüge Alexanders, weil sie vor dem gemeinsamen Bündnis schon im Sold der Perser standen:
"Frei ließ er ferner alle übrigen Griechen, welche schon vor dem mit den Makedoniern abgeschlossenen Frieden und Schutz – und Trutzbündnis im Solde der Persern gestanden waren, ... ."
Demzufolge ist es möglich, daß neben dem Allgemeinen Landfrieden auch noch eine Symmachie beschlossen wurde. Vorstellbar ist, daß Phillipp während der Gründung des Korinthischen Bundes die Griechen zu einer Zusammenarbeit militärischer Art gegen Persien gewinnen konnte. Dazu findet man in Diodors Historischer Bibliothek folgenden Hinweis:
"Er verbreitete das Gerücht, er wollte den Griechen zuliebe mit den Persern Krieg anfangen und Rache an ihnen nehmen für den Frevel, den sie an den Tempel verübt."
Die Schändung der Tempelanlagen auf der Akropolis, welche nun bereits ein anderthalbes Jahrhundert zurücklag, würde diese Argumentationsweise begründen. Letztendlich muß das jedoch offen bleiben ,da es sich ja auch um eine Seperatvereinbarung einzelner Griechenverbände mit den Makedoniern handeln könnte.
"Später brachte Phillipp, ..., diesen Grund für den Krieg mit den Persern war, daß er die Heiligtümer Griechenlands rächen wolle; nicht einmal wiederhergestellt werden dürften sie, haben die Griechen gemeint, damit die Nachwelt einen Beweis für das Verbrechen der Perser vor Augen hätte."
Das würde auch die Möglichkeit
einer Offensivsymmachie erklären. Juristisch würde sich das Kampfbündnis
dann mit der kleinasiatischen Frage begründen lassen. Durch die im
Vertrag ratifizierte Freiheit aller griechischen Polis, zu denen demnach
auch die Kleinasiatischen gehören, kann ein Krieg mit Persien gerechtfertigt
werden. Da die genannten Polis im Einflußbereich des persischen Großkönigs
lagen, könnte ihnen nur im Krieg mit Persien die Freiheit wiedergegeben
werden .
Aufbau und Organisation des Friedensbundes
Auch diese koinh eirhnh hatte den Hauptschwerpunkt darauf gelegt, die Hellenen mögen frei und autonom sein. Der Unterschied zu vorangegangenen Koine Eirene war, daß die kleinasiatischen Griechen mit einbezogen wurden:
"Ferner findet sich gleich am Anfang des Vertrages die Bestimmung, daß die Hellenen frei und selbständig sein sollen."
Weiterhin sollten die griechischen Städte
tributfrei, jedoch Philipp Untertan zu Wasser und zu Lande sein. Außerdem
wird im Vertragswerk für die Friedensteilnehmer der koinh
eirhnh das freie Befahren des Meeres garantiert. Darüberhinaus
beinhaltet der allgemeine Landfrieden noch, daß jeder militärische
Angriff auf einen Friedensteilnehmer die Bundesexekution nach sich zog.
Weiterhin geht man davon aus, daß das Bundessynhedrion eine Jurisdiktionskomponente
besessen hat, welche Konflikte, die noch nicht in eine militärische
Krise gipfelten, schlichten konnte. Jedoch wurden diese Konflikte nicht
vom Synhedrion, welches ja politisch vorbelastet war, selbst entschieden,
sondern an eine weitere Instanz delegiert. Die Entscheidung bedurfte dann
einer Zustimmung der einzelnen
Mitglieder. Die Schiedsgerichtsbarkeit
des Korinthischen Bundes wurde jedoch wenig genutzt. Ein weiterer Kernpunkt
ist der Schutz der inneren Verfassung der einzelnen Mitgliedsstaaten gegen
einen etwaigen Umsturz sowie die Unantastbarkeit des Königshauses
Philipps.
"... mit keinen Mitteln und keiner Machenschaft, und ich werde nicht die Königsherrschaft des Phillipp und seiner Nachkommen stürzen, und nicht die Verfassungen, welche bestanden, bei einem jeden, als sie die Eide über den Frieden schworen... ."
Gemeint sind die Verfassungen, die zum
Vertragsschluß innerhalb der einzelnen Staaten aktuell waren und
gegen einen inneren Umsturz gesichert werden sollten. Den Status quo zu
erhalten, war ein weiterer Punkt. So mußte jeder Staat, der Exilierte
beherbergte, und das waren insgesamt ca. 20000, welche potentielle "Unruhestifter"
sein konnten, kontrollieren um gegebenenfalls einschreiten zu können.
Somit wurde der innere Umsturz eines Staates als Feindesakt gegen die koinh
eirhnh betrachtet. Neben den Umsturz sah man auch kriegerische
Auseinandersetzungen als Feindesakte was die Bundesexekution nach sich
ziehen konnte. Die Exekutionsklausel der koinh eirhnh
hatte folgenden Inhalt: Jeder Teilnehmer ist verpflichtet, anderen
Mitgliedsstaaten die Opfer einer Aggression wurden, militärische Hilfe
zu leisten und Friedensstörer als Feinde zu betrachten. Ein Hilfegesuch
eines Mitgliedsstaates wurde dann vom Synhedrion beraten, und wenn es den
Bundeskrieg beschloß, beauftragte es den Hegemon mit dessen Durchführung.
Dadurch daß die koinh
eirhnh die Autonomie aller griechischen Staaten sichern sollte,
wurden auch die, die formell dem Bund nicht mit beigetreten waren, einbezogen.
Dies bedeutet, daß die Sanktionsdrohung nicht nur die Mitgliedsstaaten
, sondern auch die, die außerhalb der Vertragsgemeinschaft standen
trifft, sofern sie die Autonomie verletzen sollten.
" Es handelt also in einer koinh eirhnh derjenige vertragswidrig, der die Autonomie einer hellenischen Polis verletzt, sei er nun Teilnehmer der koinh eirhnh oder nicht."
Der Hegemon war dafür zuständig,
das Bundesaufgebot zu mobilisieren und wurde vom Synhedrion berufen. Dieser
konnte dann Militärhilfe von den einzelnen Teilnehmerstaaten einfordern.
Die militärische Belastung der einzelnen Mitglieder im Kriegsfall
dürfte bereits zur Gründung des Bundes festgelegt worden sein.
Die Anzahl der zu stellenden Kräfte setzt sich aus der Leistungsfähigkeit
des jeweiligen Staates zusammen. Rechnet man alles zusammen, so würde
das zweihunderttausend Mann Infanterie und fünfzehntausend Mann Artillerie
bedeuten. Auf Grund dieser Anzahl an Soldaten, die in der Praxis wohl nie
alle eingesetzt wurden, errechnete sich der Schlüssel für die
zu stellenden Militärleistungen.
Das Amt des Hegemon ist wahrscheinlich
zur ersten Sitzung des Bundes an Philipp auf Lebenszeit gegeben worden.
Dafür spricht die Führerstellung Philipps nach Chaironeia . Nach
Phillipps Tode wurde sein Sohn Alexander zum Hegemon berufen.
Jedoch wollten die griechischen Staaten
und damit das Synhedrion den Führeranspruch Alexanders erst nicht
akzeptieren. Aber als dieser mit einer Armee in Boiotien auftauchte, lenkten
die Griechen ein und erkannten ihn als den Hegemon an.
"... Alexander solle unumschränkter Feldherr von Griechenland sein... ."
Er erhielt außerdem den Titel "strategos
autokrator" . Dies besagt daß er für strategische Änderungen
im Kriegsfall oder Vertragsabschlüssen nicht erst die heimatlichen
Behörden kontaktieren mußte. Im Verlauf des Perserkrieges war
diese Sondervollmacht auch von enormer Wichtigkeit, da keine Möglichkeit
bestand, vor größeren Entscheidungen Boten nach Korinth zu schicken.Zur
Auslösung der Perserkrieges ist zu bemerken, daß Philipp und
später sein Sohn Alexander, wahrscheinlich selbst Mitglied im Synhedrion
waren und die Bundesexekution gegen Persien beantragte. Als Begründung
dafür wurde die bereits o.g. Beschränkung der kleinasiatischen
Griechen durch die Perser angegeben.
Über das Synhedrion als eine der
wichtigsten Instanzen neben dem Hegemon im Korinthischen Bund ist folgendes
überliefert:
Es tagte mindestens einmal im Jahr, meistens
parallel zu den panhellenischen Spielen. Des weiteren gab es außerordentlich
einberufene Sitzungen. Das Synhedrion setzte sich aus Vertretern der am
Bund beteiligten griechischen Staaten zusammen. Es entschied über
Streitigkeiten innerhalb des Bundes und konnte die Bundesexekution veranlassen.
So zum Beispiel fällte es das harte Urteil über Theben.
Ab 330 gaben die Quellen nur noch sehr
wenig Aufschluß über die Tätigkeiten des Synhedrions und
des Bundes. Wahrscheinlich liegt es daran, daß das Augenmerk der
zeitgenössischen Historiker jetzt mehr auf den Kriegsschauplätzen
außerhalb Griechenlands lag.
Es sollen nun noch kurz die Aufgaben und Bestimmungen des Korinthischen Bundes zusammengefaßt werden.
1. Die Autonomie der einzelnen Griechen
wurde gefordert und größtenteils durchgesetzt.
2. Der Status quo erreicht ,indem
man bewaffnete Auseinandersetzungen innerhalb
Griechenlands verbot.
3. Mittels Schiedsgerichtsbarkeit
bei Streitfällen konnten militärische Auseinandersetzungen verhindert
werden.
4. Den Friedenserhalt durch Bundesexekution
(Beteiligung der Mitgliedsstaaten daran war obligatorisch) darf man als
gesichert betrachten.
5. Weiterhin schützten die
Institutionen, die durch den allgemeinden Landfrieden entsanden,die inneren
Verfassungen der Mitgliedsstaaten. Zu diesen zählen das Synhedrion
und der Hegemon.
6. Für den Perserkrieg bekam
der jeweilige Hegemon (Phillipp oder Alexander) besondere Vollmachten(s.o.).
7. Das Synhedrion war formal das
Herzstück der koinh eirhnh, das alle teilnehmenden
Staaten repräsentierte.
Es tagte regelmäßig, sorgte
für Urteile bei Auseinandersetzungen, beschloß den Bundeskrieg,
veranlaßte die Bundesexekution durch den Hegemon und bestrafte Friedensstörer.
In dieser Hausarbeit wurden verschiedene
Quellen zum Erarbeiten des Themas herangezogen. Dadurch muß auf verschiedene
Dinge geachtet werden.
Einerseits können bei Übersetzungen
vom Griechischen ins Lateinische und dann ins Deutsche oder Englische Fehler
auftreten, die Ereignisse dann verfälschen. Andererseits muß
bei Plutarch beachtet werden, wenn er seine Phokion-Biographien mit Tendenz
zu einem idealisierten Phokionbild schreibt, daß dadurch ein Teil
der Objektivität verloren geht. Die Datierungen nach Diodor sind ein
weitere Problemfall. So datiert er mit Hilfe der Jahresbeamten in Rom und
Athen. Allerdings konnte man zum Teil aus anderen Quellen ersehen, daß
die einzelnen Jahresbeamten nicht übereinstimmten. Ein weiteres Problem
das beim Diodor auftritt ist,daß er seine Historische Bibliothek
erst 300 Jahre nach den Ereignissen schreibt und sich selbst auch nur auf
Quellen stützt.
Weiterhin ist die Terminologie der Quellenschreiber
zu beachten. So schreibt Arrian von einem Vertrag, der von den Makedoniern
beschlossen wurde. Da Makedonien allerdings eine Monarchie war, hatte hier
der König die Legislative .
Diese Fehlermöglichkeiten sind zum
Verständnis der Hausarbeit mit zu berücksichtigen.