November 27, 2022

4. Pompeius, Crassus und Spartakus.


Wir können Caesars Leben und Karriere nun getrost wieder verlassen und uns dem Geschehen auf der großen politischen Bühne Roms zuwenden. Caesar durchlief in den nächsten Jahren die übliche Ämterlaufbahn und tat sich kaum spektakulär hervor. Aus dem Krieg mit Spartakus gibt es keine Nachricht über seine Aktivitäten.

Im Gegensatz zu Caesar, der bisher nur einige kleinere (eigenmächtige) Kommandos in Kleinasien führte, sollte ein anderer militärische Einheiten von ganz anderem Kaliber auf eigene Faust führen und sich zur bestimmenden Persönlichkeit in Rom aufschwingen, nämlich Gnaeus Pompeius. Er wurde 106 geboren und beförderte schon in jungen Jahren zielstrebig und skrupellos die eigene Karriere. Wir haben ihn schon erlebt, wie er im Jahre 83 ohne Legitimation aus Privatmitteln eine militärische Einheit aufstellte und sie dem in Italien einfallenden Sulla zur Verfügung stellte. Sulla glaubte, jede Unterstützung nötig zu haben und begrüßte den dreiundzwanzigjährigen (selbsternannten) General als „Imperator“, also mit dem gleichen Titel, den Sulla selber führte. Pompeius ging allerdings noch wesentlich weiter, um seine Karriere voranzutreiben: Als er der Unterschlagung angeklagt war, brachte er den Prozess zu einem für ihn erfolgreichen Abschluss, indem er Antistia, die Tochter des Gerichtsvorsitzenden, heiratete. Später verstieß er die junge Frau ungerührt, weil Sulla es von ihm verlangte (anders als Caesar, der sich weigerte, seine Frau zu verstoßen). Stattdessen wurde Pompeius mit Sullas schwangerer Stieftochter Aemilia vermählt. Nachdem sie nun irgendwie miteinander verwandt waren, unterstützte Sulla die Karriere seines jungen Schützlings bedenkenlos. Er schickte ihn als Proprätor nach Afrika, um die Reste der Marianer zu bekämpfen, obwohl er noch nicht einmal das von Sulla selbst festgelegte Mindestalter für einen Proprätor hatte – geschweige denn das Pompeius vorher überhaupt die Prätur inne gehabt hätte.

Man kann dem Pompeius eine Menge vorwerfen, nicht aber, dass er kein überdurchschnittlicher Heerführer gewesen ist. In Afrika kämpfte er 81/80 außerordentlich erfolgreich gegen die aus Italien geflohenen Verbände der Marianer. Seine Soldaten nannten ihn bald darauf Magnus, „den Grossen“. Noch Sulla selber musste dem jungen Imperator bei seiner Rückkehr nach Rom einen Triumph gewähren, einen feierlichen Einzug seiner Truppen in die Stadt, eine Ehrung, die eigentlich nur hohen und verdienten Magistraten zukam – und vor allem nur solchen, die einen ausländischen Feind besiegt hatten. Sein Förderer Sulla wendete sich langsam von ihm ab: Pompeius‘ Wahlhilfe für Aemilius Lepidus bezeichnete er als „dummen Bubenstreich“, allerdings ohne damit viel zu erreichen. Wenn der sterbende Sulla sich noch für die Staatsgeschäfte interessiert hätte, wäre dies das mögliche Ende von Pompeius steiler Karriere gewesen.

Als Lepidus im Jahre 77 (Sulla ist schon begraben) mit den vom Diktator enteigneten und revoltierenden Bauern von Faesulae gemeinsame Sache machte, ein Heer sammelte und dem Beispiel Sullas, Cinnas und Marius‘ folgend auf Rom zog, erhielt Pompeius als Privatmann ein Imperium. Damals war Pompeius 29 Jahre alt. Als ehemaliger Unterstützer stellte sich nun dem Lepidus entgegen und schlug ihn vernichtend.


Pompeius „Magnus“, der Grosse, ein skrupelloser Karrieremensch.
Lepidus selbst konnte fliehen und starb bald darauf auf Sardinien. Pompeius aber weigerte sich, sein Heer aufzulösen, sondern verlangte ein Kommando gegen den Marianer Sertorius, der nach Spanien geflohen war.

Ganz im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen war Sertorius ein Ehrenmann und ein so fähiger Offizier, dass es ihm als einzigen zusammen mit Caesar gelang, dem Pompeius Paroli zu bieten oder ihn sogar zu schlagen. Er stammte aus einer ritterlichen Familie und wurde beim Feldzug gegen die Kimbern und Teutonen unter Marius bald ein guter Soldat. Später ging Sertorius als Kriegstribun nach Spanien, wo er sich wohl die guten Verbindungen aufbauen konnte, die ihm später von Nutzen waren. 88 verhinderte Sulla seine Kandidatur zum Volkstribunat, was Sertorius ihm nie vergessen würde. 83 war Sertorius Prätor und kämpfte im Bürgerkrieg gegen Sulla. Als Sulla die Oberhand behielt, floh Sertorius nach Spanien, wurde aber 81 nach Afrika vertrieben. Schon im Jahre 80 riefen ihn die Lusitanier, eine iberische Volksgruppe, die der römischen Herrschaft in ihrer existierenden Form offenbar überdrüssig waren, zurück, und Sertorius begann zielstrebig damit, eine Gegenherrschaft aufzubauen. Seit 79 trieb er die vom Senat in Rom entsandten Statthalter vor sich her. Sie konnten seinen Siegeszug nicht aufhalten. Nun wurde Sertorius zur echten Gefahr für die sullanische Oligarchie und deren Restaurationsbestrebungen in Rom, denn er begann damit, sich eine verlässliche Hausmacht aufzubauen. Unzufriedene und Marianer begaben sich zu ihm nach Spanien. Sertorius kopierte sogar das politische System Roms, indem er einen spanischen Senat erschuf und Ämter wie die Quästur und Prätur einführte und mit seinen Freunden und Unterstützern besetzte.

77 ging Pompeius, im Besitz eines wieder einmal – nach den Maßstäben der sullanischen Reformen – illegalen Imperiums, nun endlich nach Spanien, um dem Sertorius zu zeigen, was es bedeutete, Rom herauszufordern. Sein Feldzug begann recht erfolgreich, denn auf dem Weg nach Spanien unterwarf er die Salluvier (französische Provence). Doch sein Kampf mit Sertorius artete zu einem zähen Ringen aus, das sich über mehrere Jahre hinzog. Im Jahre 75 traf er bei Sagunt auf das römisch-keltische Heer des Sertorius (die Einheimischen unterstützten, wie gesagt, Sertorius, was dem Pompeius die Kriegsführung erschwerte) und kam über ein Unentschieden nicht hinaus. Später gelang es Pompeius zwar, ab und zu die Initiative an sich zu reißen, schlagen konnte er Sertorius allerdings nicht. Die Anwesenheit des Pompeius führte aber dazu, dass sich der eigentliche Statthalter in Spanien, Metellus Pius, seiner Meriten erinnerte.

Die Familie der Metelli war eine alte und mächtige Familie, ihre Mitglieder zählten zum römischen Hochadel. Schon der Vater von Metellus Pius, Metellus Numidicus, hatte als Prokonsul erfolgreich in Afrika gegen Jugurtha gekämpft und wurde eher durch die Agitation des Gaius Marius von seinem Kommando abgelöst und durch diesen ersetzt, als durch seine Unfähigkeit – dank einiger Erfolge durfte er sich auch den Beinamen „Numidicus“ geben.  Sein Sohn wurde als junger Mann einer der optimatischen Anhänger Sullas und einer seiner wichtigsten Legaten im Bundesgenossenkrieg und später im mithridatischen Krieg. Zum Dank machte ihn Sulla zur Zeit seiner Herrschaft in Rom zuerst zum Konsul und dann zum Pontifex Maximus. Später betraute der Senat den verdienten Mann mit dem Kommando gegen Sertorius. Dieser war allerdings ein zäher Brocken und Metellus Pius blieb bis zur Ankunft des Pompeius nicht viel mehr, als sich in seiner Provinz zu verbarrikadieren.

Gemeinsam mit Pompeius entwickelte Metellus allerdings wesentlich mehr Dynamik. Während Pompeius sich gegen Sertorius wiederholt eine blutige Nase abholte (und einmal sehr schwer am Oberschenkel verwundet wurde) schlug Metellus nacheinander die verschiedenen Legaten des Sertorius, welche wohl auch nicht dessen Qualitäten aufwiesen. Pompeius unterlag Sertorius mehrmals, schaffte es aber auch ihn davon abzuhalten das Kriegsglück noch einmal für sich zu wenden. Ebenso war Pompeius so geschickt bei seiner eigenen Darstellung in der Öffentlichkeit, dass der Sieg ihm zugeschrieben wurde – obwohl er zu einem großen Teil eher auf den Leistungen des Metellus beruhte.

Kehren wir zurück nach Rom, wo mit der sullanischen Restauration eine trügerische Ruhe eingekehrt war. Schon seit 76 agitierte man öffentlich für eine Wiederherstellung des Volkstribunats mit all seinen Vollmachten. 75 wurde durch ein Gesetz des Konsuls C. Aurelius Cotta (Caesars Mutter war dessen Cousine) den Volkstribunen die Ämterlaufbahn wieder erlaubt, was einer Aussetzung eines Teiles der Sullanischen Reformen gleichkam.

Nicht nur der vor sich her dümpelnde Krieg gegen Sertorius in Spanien schürte die Unzufriedenheit der römischen Bevölkerung, sondern auch das Unwesen, das die kilikischen Seeräuber trieben. Sie hatten ihre Stützpunkte in Kleinasien und waren staatsähnlich organisiert. Die Flotten der Seeräuber beherrschten die Meere und unternahmen tolldreiste Überfälle. Etliche reiche Küstenstädte wurden z.T. mehrmals ausgeraubt. Gefangene Römer ließ man nur gegen hohes Lösegeld wieder frei, oder aber sie wurden gleich ermordet. Am schmerzhaftesten aber traf die Römer die Unterbrechung der Seewege, weil davon vor allem die Getreideimporte aus Afrika betroffen waren. Über den katastrophalen Zustand der italischen Agrarwirtschaft wurde bereits berichtet (Enteignung, Kriegsschäden, Militärdienst, Landflucht), und so waren weder die italischen Bauern noch die großen Landgüter in der Lage, die Hauptstadt mit genügend Getreide zu versorgen. Überhaupt platzte diese Hauptstadt seit den Anfängen der römischen Revolution aus allen Nähten. Durch die Sklavenflut auf den entstandenen großen Landgütern wurden die Bauern vertrieben, und diese drängten sich in die Hauptstadt, wo sie hofften, ihre Lebenssituation zu verbessern. Veteranen weniger erfolgreicher Feldherren führten auf den Straßen ein kärgliches Dasein. Auch Sklaven gab es in Rom natürlich zu Zehntausenden. Wenn einer floh, so brauchte er nicht gleich die Stadt zu verlassen, sondern begab sich in die übervölkerten Armutsviertel, vergleichbar mit den heutigen Slums oder Ghettos in den Großstädten der Dritten Welt, und tauchte dort unter. Die Bevölkerung ohne eigenes Einkommen (Pöbel oder Plebs, „Lumpenproletariat“) wurde durch vergünstigte oder freie Kornlieferungen versorgt. Es gibt genügend abschreckende Beispiele dafür, dass ausbleibende Getreideschiffe zu Hungerrevolten und Aufruhr in der Hauptstadt geführt haben.

Eben jenen Getreideimport bedrohten nun die kleinasiatischen Piraten, und der Senat musste handeln. Schon 78-75 hatte P. Servilius die Kilikier im Auftrag des Senats bekämpft (Caesar diente einige Wochen unter ihm) und war recht erfolgreich gewesen. Er konnte Seeräuberfestungen zerstören und besiegte im Inneren Kilikiens die Isaurier, wofür er den Ehrennamen Isauricus erhielt. Damit waren die Seeräuber aber noch längst nicht am Ende; für jeden Kopf, den der Isauricus der beutehungrigen Meute abgeschlagen hatte, schienen fünfzig nachzuwachsen. Schon im Jahre 74 wurde M. Antonius ein Kommando mit Sondervollmachten gegen die Piraten übertragen (die mittlerweile auch auf Kreta saßen). Er führte drei Jahre Krieg gegen die Seeräuber, ohne sie entscheidend schlagen zu können, und erlitt schließlich vor Kreta eine schmerzhafte Niederlage. Er musste einen peinlichen Frieden schließen und beging später Selbstmord.

In den Jahren 74-70 erreichten Rom allerdings noch weitere Hiobsbotschaften. Nachdem König Nikomedes von Bithynien sein Reich nach seinem Tod an Rom vererbt hatte, fiel Mithridates, den wir aus zwei vorhergehenden Kriegen kennen, in Bithynien ein. Die Römer rüsteten für den 3. Mithridatischen Krieg. L. Licinius Lucullus erhielt den Oberbefehl über die zweite römische Armee (die erste stand unter Pompeius in Spanien gegen Sertorius), ausgestattet mit erheblichen Sondervollmachten. Er kämpfte sehr erfolgreich, und trieb zuerst Mithridates und dann dessen Schwiegersohn König Tigranes von Armenien vor sich her.

Pompeius erhielt in Spanien endlich die lang erwartete Unterstützung, denn der Senat bewilligte ihm nach seinen teilweise schweren Verlusten Geldmittel und Truppen. Er konnte in die Offensive gehen, Sertorius aber immer noch nicht entscheidend schlagen. In Rom selbst musste wegen der angespannte Lage ein Getreidegesetz von den Konsuln eingebracht werden (73). Noch aber war noch nichts zu spüren von dem Sturm, der mit den Ausbruch von nur 70 Gladiatoren aus Capua begann und bald über Italien hereinbrechen würde. Es sollte der größte Sklavenaufstand der römischen Geschichte werden.

Sklavenaufstände waren für Rom übrigens durchaus nichts Neues. Neben einigen kleineren Aufständen in Italien selbst war vor allem Roms erste Provinz Sizilien betroffen gewesen. Hier war es schon durch die Ausweitung der Sklavenwirtschaft nach dem 2. Punischen Krieg von 136-132 zu einem größeren Aufstand gekommen, den Rom militärisch niederschlagen konnte. Doch 104-101 brach erneut ein gewaltiger Sklavenaufstand aus, ausgelöst durch die Weigerung des sizilianischen Provinzstatthalters, die unrechtmäßig eingeführten Sklaven in die Freiheit zu entlassen. Wieder erreichten die aufständischen kurzzeitig die Kontrolle über nahezu die ganze Insel, riefen einen König aus und suchten Unterstützung im Ausland. Erst im Jahre 101 besiegte Konsul Manius Aquilius die Sklaven und befriedete Sizilien.

Als man im Frühjahr 73 vom Ausbruch einiger Gladiatoren aus der Fechterschule von Capua hörte, wird man in Rom nicht sonderlich beunruhigt gewesen sein. Schließlich waren kleinere Aufstände und Ausbrüche an der Tagesordnung, und dass die Gladiatoren ihrem Schicksal entrinnen wollten, vor den aufgepeitschten Volksmengen zur Belustigung auf Leben und Tod kämpfen zu müssen, war nur logisch. Die Gladiatoren unter der Führung eines gewissen Spartakus brachen wohl mit ca. 200 Mann aus der Elite-Schule von Capua aus und überwältigten das starke Wachpersonal, die Flucht war allerdings nur für ungefähr siebzig Mann erfolgreich. Die Gladiatoren wurden verstärkt durch einige mutige entlaufene Sklaven und Vogelfreie, die wohl bereits alle Hoffnung aufgegeben hatten. Von einem Sklavenaufstand kann bisher noch keine Rede sein. Die Gladiatoren hatten allerdings das Glück, dass ihnen eine kleinere Waffenlieferung aus Rom in die Hände fiel und ihre spärliche Ausrüstung ergänzte. In Rom brauchte man, wie schon gesagt, kaum etwas zu befürchten. Dennoch wollte man den Aufstand beenden, bevor er so recht ins Rollen kam. Der Senat entsandte den Proprätor C. Claudius Glaber mit 3.000 Rekruten (die ausgebildeten Legionen befanden sich in Asien und Spanien). Glaber trieb Spartakus und seinen Haufen vor sich her, bis auf den Vesuv hinauf. Hier glaubte er, die Sklaven von allen Verbindungen und gangbaren Wegen abgeschnitten zu haben, und wollte nun abwarten, bis er sie ausgehungert hatte. Spartakus aber gab sich nicht so leicht geschlagen. Des Nachts seilten er und seine Männer sich von einer Steilwand ab. Nicht einer blieb zurück, der Letzte ließ die gebündelten Waffen nach unten. Dann überfiel Spartakus mit seinen Männern das Lager des Claudius Glaber, der den arroganten Fehler begangen hatte, auf die übliche Befestigung mit Holzpalisaden zu verzichten. Die verängstigten Rekruten wurden aus dem Schlaf gerissen und waren plötzlich mit einer Rotte konfrontiert, die zum Äußersten entschlossen war. Nach kurzen Scharmützeln flohen die jungen Männer in die Nacht. Auch Glaber entkam nur knapp.

Damit nahm ein bemerkenswertes Ereignis der Weltgeschichte seinen Lauf, der Sklavenaufstand des Spartakus, der Rom an den Rand der Katastrophe brachte. In normalen Geschichtsbüchern findet man unter dem Spartakus-Aufstand nur einige wenige trockene Zeilen, die von einigen römischen Niederlagen berichten und schließlich von dem Scheitern der Sklaven. Damit wird man Spartakus aber bei weitem nicht gerecht, denn er war sicherlich ein begabter militärischer Anführer, der erstaunliches vollbrachte. Das ist der Grund, warum ich mich hier ausführlich dem geheimnisvollen Gladiator widme, obwohl er für die Biographie Caesars weniger wichtig ist. Dennoch hat Spartakus diese Aufmerksamkeit verdient; er gehört zu den wenigen berühmten Männern, deren Leistung auch heute noch Respekt und Anerkennung gezollt wird. Außerdem zeigt der Spartakus-Konflikt die Schwächen und die Angreifbarkeit des angeblich so mächtigen römischen Staates.

Woher kam Spartakus eigentlich? Eine gute Frage, die auch heute niemand mit Sicherheit zu beantworten vermag. Als gesichert kann gelten, dass er aus Thrakien stammte, was alle uns bekannten antiken Quellen bestätigen. Was er jedoch in seiner Heimat gewesen ist und warum er als Gladiator nach Italien gehen musste, wissen wir nicht. Die meisten antiken Chronisten setzen voraus, dass der Spartakus ein thrakischer Fürst oder Fürstensohn war. Das könnte allerdings nichts weiter sein als Schadensbegrenzung, denn angesichts etlicher Niederlagen römischer Armeen gegen Spartakus‘ Sklavenheer, über die nur verschämt berichtet wird, erscheint es erträglicher, wenn Rom durch einen thrakischen Edeling besiegt wurde, den es durch ein unglückliches Schicksal nach Italien verschlagen hatte. Ob Spartakus aber vielleicht nur Bauer, Händler, Söldner oder Dieb in seiner thrakischen Heimat gewesen ist, ist nicht mehr zu ermitteln. Für seine Abkunft als Fürst oder Fürstensohn sprechen jedoch seine außergewöhnliche Intelligenz, seine Führungsqualitäten und seine offensichtlichen Fähigkeiten in Fragen der Kriegsführung; das sind Eigenschaften, die dem heranreifenden männlichen Nachwuchs eines Herrscherhauses normalerweise vermittelt werden. Dennoch bleiben Zweifel: es ist ebenso wenig auszuschließen, dass Spartakus nicht einmal aus Griechenland kam – die Bezeichnung „Thraker“ könnte allein daher stammen, dass er als Gladiator nach dem sogenannten thrakischen Kampfstil gefochten hatte, also bewaffnet mit Netz und Dreizack im Gegensatz zu den „Galliern“, bewaffnet mit Schwert und Schild. Sollte es sich so verhalten haben, hätte die römische Geschichtsschreibung um so eher ein Interesse gehabt, die eigentliche Herkunft des Spartakus zu verschleiern.

Wie wir schon gesehen haben, war der verschlagene Thraker nie um eine Kriegslist verlegen. Nachdem er einen ersten Sieg gegen römische Truppen (von welcher Qualität diese auch immer gewesen waren) errungen hatte, erhielt er nun regen Zulauf von unzufriedenen Sklaven der Umgebung. In kürzester Zeit hatte sich sein Trupp enorm vergrößert, und so konnte er auch die Sklaven innerhalb der Stadt Nola dazu bringen, ihm und seinem Heer die Tore zu öffnen. Nola war eine schwer befestigte Stadt, an der sich schon Hannibal die Zähne ausgebissen hatte, und fiel nun doch der Plünderung anheim. Wütende Sklaven liefen durch die Strassen, plünderten, mordeten und brandschatzten. Jahrzehntelang aufgestauter Hass entlud sich in einem grausigen Massaker. Sklaven aus Nola zerrten ihre eigenen Herren vor die Tür, um ihnen den Garaus zu machen. Antike Chronisten betonen erstaunlicherweise, dass diese Untaten gegen den Willen des Spartakus geschehen sind, der aber keine Möglichkeit sah, seinen aufgebrachten Haufen zurückzuhalten (der übrigens wohl kaum schlimmer in Nola hauste als Sullas römische Soldaten 86 im eroberten Athen). Um die Ausschreitungen zu beenden, belog Spartakus seine Leute und ließ das Gerücht verbreiten, dass Prätor Publius Varinius, der mittlerweile vom Senat mit der Beendigung des Aufstandes beauftragt worden war, auf die Stadt anrückte. Das Glück ist mit dem Tüchtigen und in diesem Falle mit dem Gnädigen, denn Varinius rückte ohne Wissen des Spartakus tatsächlich mit einem Heer auf Nola zu. So entkamen die Sklaven gerade noch rechtzeitig.

Spartakus organisierte seine Truppen auf hervorragende Art und Weise und setzte nun zu einem beispiellosen Siegeszug gegen römische Verbände an. Zwar stimmt es, dass die Römer Spartakus zuerst nur zweitklassige Truppen entgegenstellten (die großen Armeen waren schließlich in Spanien und Asien), doch muss man bedenken, dass bei Spartakus‘ Haufen anfangs kaum die Rede von einer „Armee“ sein konnte, setzte er sich doch nur aus entlaufenen Sklaven aller Art ohne Kampferfahrung zusammen. Dennoch schlug er im Sommer 73 erst Varinius‘ Unterfeldherren Furius, der 3.000 Mann kommandierte und wohl mit einem leichten Sieg gerechnet hatte. Entgegen allen Erwartungen kämpfte Spartakus‘ Armee jedoch diszipliniert und taktisch geschickt. Die nächste Schlappe erlitt Varinius‘ Legat Cossinius, der sorglos badete, während Spartakus seine Truppen bei Salinae Heraclea auseinander nahm. Er floh in sein befestigtes Lager, das Spartakus‘ Truppen jedoch im Siegestaumel überrannten, wobei Cossinius getötet wurde.

Mittlerweile war Varinius endlich mit einem größeren Truppenaufgebot zur Stelle und schloss das Sklavenheer im Lager von Heraclea ein. Spartakus erkannte die Schwäche seiner Position, wo er und seine Leute bald von jeglicher Versorgung abgeschnitten sein würden. Doch ließ er seine Truppen weiterhin die Befestigungen ausbauen, so dass Varinius zufrieden glaubte, der Thraker würde sich auf eine längere Belagerung einlassen. Nachts ließ Spartakus Leichen als Wächter aufstellen und räumte still und heimlich die Stellung. Erfolgreich führte er seine Leute im Schutze der Nacht an den allzu sorglosen Römern vorbei. Varinius wurde erst misstrauisch, als nicht mehr die übliche Geräuschkulisse aus dem Sklavenlager zu hören war. Er eroberte das leere Lager und wird sich die Haare gerauft haben, als er feststellte, wie er an der Nase herumgeführt worden war. Spartakus erwies sich wieder einmal als außerordentlich fähiger Anführer und seine Kriegslist scheint nur vergleichbar mit den Tricks eines Hannibals, der 150 Jahre zuvor römische Legionen auf ähnliche Art an der Nase herumgeführt hatte.

Spartakus eroberte noch 73 die Stadt Forum Anni, in der es wieder zu schweren, blutigen Ausschreitungen kam, die Spartakus erneut nicht billigte. Ende 73 holte sich endlich auch Varinius selbst eine blutige Nase gegen Spartakus und seinen Haufen. Um seine eigene Haut zu retten, musste Varinius fliehen.

Im Jahre 72 kam es offenbar zum Streit im Sklavenlager, was uns zu der Frage bringt, aus welchen Völkern sich das Heer des Spartakus wohl zusammensetzte. Inzwischen war es gewaltig angewachsen, manche antike Quellen sprechen von bis zu 200.000 Mann, was aber wahrscheinlich übertrieben ist (allein die Versorgung wäre sicher unmöglich gewesen). Anerkannt ist die Zahl von ca. 70.000 Sklaven, wobei dies allerdings auch nicht stimmen muss. Die großen Sklavenschübe nach Italien hatten nach dem siegreichen Ende des 2. Punischen Krieges begonnen (das lag schon fast anderthalb Jahrhunderte zurück). In den letzten Jahrzehnten waren es vor allem Griechen und Kleinasiaten (nach dem Ende der ersten beiden Mithridatischen Kriege) gewesen, die man als Sklaven nach Rom gebracht hatte. Auch Kelten aus Gallien und andere nordische Barbaren kamen in gewaltigen Kontingenten nach Italien (so zum Beispiel die von Marius geschlagenen Kimbern, Teutonen und Allobroger). Aus eben diesen Völkern dürfte sich auch das Heer des Spartakus zusammengesetzt haben, und zwischen denen kam es nun zu Spannungen.

Gerade die Kelten drängten darauf, die unter Druck geratenen Römer weiter anzugreifen und im eigenen Lande zu bekämpfen. Sie waren fanatische Krieger, nur auf Kampf und Rache aus, und deshalb hatten sich etwa zehntausend von ihnen unter dem Krixos von der Hauptarmee getrennt. Dieser Kelte war offenbar schon vorher ein Freund und Unterführer des Spartakus gewesen, aber ebenso wie viele seiner Landsleute mit dem Plan unzufrieden, einfach aus Italien zu fliehen (der zu diesem Zeitpunkt sicherlich noch bestanden haben dürfte).

Rom nahm den Aufstand endlich ernst und fuhr schwerere Geschütze auf. Die Konsuln Cornelius Lentulus Clodianus und L. Gellius Poplicola wurden mit je zwei Legionen gegen die Sklaven ins Feld geschickt. Gellius‘ Unterführer Proprätor Q. Arrius verlor am Mons Garganos ein Scharmützel gegen die Kelten des Krixos. Diese allerdings nutzten ihren Sieg nicht, sondern betranken sich sinnlos im eroberten römischen Lager. Arrius kehrte zurück und rieb die betrunkenen Kelten fast völlig auf.

Der erfolgreiche Spartakus aber führte sein Heer nach Norden, in Richtung Alpen und damit der Freiheit entgegen. Lentulus zog vor dem Spartakus her, während Gellius und Arrius aufzuholen versuchten, um Spartakus in die Zange zu nehmen. Lentulus besetzte wichtige Bergpässe des Appenins und hätte somit nur auf die Ankunft des Gellius warten müssen, um Spartakus dann gemeinsam zu vernichten. Dennoch hatte sich Spartakus‘ Talent als General und die Kampfkraft des Sklavenheeres offenbar nicht bis zu Konsul Lentulus herumgesprochen, denn dieser gab die Bergpässe auf und griff Spartakus an. Er wurde vernichtend geschlagen und zur Flucht gezwungen. Inzwischen war Gellius herangerückt und attackierte Spartakus‘ Lager. Noch am selben Tag, an dem er die Legionen des Lentulus zerschlagen hatte, besiegte er auch Gellius, zweifellos eine herausragende militärische Leistung und ein Beweis für die Zähigkeit des Sklavenheeres.

Spartakus ließ eine Totenfeier für den gefallenen Krixos ausrichten, bei der 300 bis 400 gefangene Römer in Gladiatorenkämpfen gegeneinander antreten mussten. Das wurde ihm von den Römern immer wieder zum Vorwurf gemacht und galt als Beispiel seiner Grausamkeit. Dass sie damit nur selbst erlitten, was sie Spartakus und den unter ihm kämpfenden Völkern schon seit Jahrzehnten in den Zirkussen und Arenen antaten, darauf kamen sie offenbar nicht.

Während Arrius die zerschlagenen Legionen der beiden Konsuln neu ordnete, zog Spartakus weiter nach Norden, bis in die voralpine Provinz Gallia Cisalpina. Erneut stellten sich ihm starke römische Verbände unter dem Statthalter C. Cassius Longinus und Prätor Cn. Manlius entgegen. Erneut siegte der Thraker und seine Sklaven.

Der Sieg war total, der Weg für die Alpenüberquerung war frei. Doch was tat Spartakus? Es schien unglaublich: Am Ziel seiner Träume kehrte Spartakus den rettenden Alpen einfach den Rücken und fiel erneut in Italien ein. Was mag ihn dazu bewogen haben? Wir haben Spartakus bisher als besonnenen und äußerst gewitzten Anführer kennen gelernt, also können wir davon ausgehen, dass er gute Gründe gehabt haben wird, umzukehren. Was für Gründe mögen dies gewesen sein? Darüber streiten sich schon seit Jahrhunderten die Gelehrten. Vielleicht war es so, dass ihn die eigenen Leute dazu drängten, umzukehren und die Römer in die Knie zu zwingen (war man nicht bisher immer siegreich gewesen?). Rom war ja auch wirklich in einer äußerst ungünstigen Lage: Pompeius kämpfte mit seinen Legionen in Spanien gegen Sertorius, Lucullus in Kleinasien gegen Mithridates. Die im eigenen Lande aufgestellten Legionen waren geschlagen. Gerade die Kelten, die im Heer des Spartakus geblieben waren, mochten darauf gedrängt haben, denn für sie war der Kampf gegen die Römer sowieso das Lebensziel. Doch auch die Griechen, Thraker und Kleinasiaten hatten nun vielleicht von der einstmals so erwünschten Heimkehr Abstand genommen. Was hatte man auch zu erwarten? Waren die Alpen erst mal überschritten, so würden die starken Kelten nach Gallien gehen. Das Restheer hätte durch die römische Provinz Illyricum nach Hause ziehen müssen. Selbst wenn sie den langen Marsch in ihre Heimatgebiete geschafft hätten, so wären sie auch dort auf römische Vorherrschaft gestoßen und Lukullus, der mit einem starken Heer gegen Mithridates kämpfte, hätte die aufrührerischen Sklaven, die es gewagt hatten, halb Italien zu verwüsten, sicherlich gerne gebührend in Empfang genommen. Auch Spanien war keine Alternative: Pompeius und Metellus hatten Sertorius mittlerweile besiegt.

Vielleicht hatte Spartakus jetzt aber doch der eigene Ehrgeiz zur Umkehr veranlasst. Auf jeden Fall war er mit ganzem Herzen dabei, ebenso wie sein Heer. Schnell marschierte man auf Rom und traf bei Picenum auf die gerade neu organisierten römischen Legionen, vermutlich unter dem gemeinsamen Befehl von Lentulus, Gellius und Arrius. Wiederum erlebten die drei eine Schlappe. Vor Rom hielt sich das Sklavenheer allerdings nicht lange auf. Spartakus schreckte offenbar wegen der schwierigen Versorgungslage und der internen Disziplinlosigkeit seiner Truppen vor einer längeren Belagerung zurück. Damit verpasste er vor den Toren der Hauptstadt ebenso ein schnelles Ende des „Krieges“ (als solchen können wir die Kämpfe mittlerweile betrachten), wie vor ihm Hannibal. Nach Spartakus sollte es fast ein halbes Jahrtausend dauern, bis wieder feindliche Truppen vor Rom standen, nämlich Alarichs Westgoten in der ersten Dekade des vierten Jahrhunderts nach Christus. Statt Rom anzugreifen, eroberten die Sklaven Thurii, diesmal allerdings ohne die üblichen Plünderungen. Auch mehrere römische Truppenabteilungen wurden von Spartakus‘ Verbänden geschlagen. Sein Heer wird über 60.000 bis 120.000 Mann verfügt haben.

In Rom war inzwischen niemand mehr scharf auf ein Kommando gegen den listigen Spartakus, der dennoch nichts weiter anführte als einen Haufen aufständischer Sklaven (großer Ruhm war also kaum zu ernten). In diesem Moment betrat ein alter Bekannter erneut die politische Bühne Roms, um es aus einer großen Verlegenheit zu retten.

M. Licinius Crassus wurde Prätor und übernahm freiwillig das Kommando der Truppen gegen Spartakus. Er war 115 geboren worden und lag somit schon einige Jahre gegenüber seinem Konkurrenten Pompeius (geboren 106) zurück. Jetzt endlich witterte er die Möglichkeit, wieder groß in die Politik einzusteigen. Unbeliebt hatte Crassus sich durch sein gieriges Verhalten während der Zeit der sullanischen Proskriptionen gemacht, wo er gewaltige Besitztümer der verfolgten Popularen an sich raffte, teilweise mit Wertverlusten bis zu 3000 Prozent! Doch der umtriebene Crassus hatte noch andere Ideen, um zu Geld zu kommen: Er beschäftigte eine Feuerlöschtruppe in Rom. Hier kam es in den übervölkerten Armutsvierteln oft zu Bränden und kaum, dass ein Feuer ausgebrochen war, war Crassus‘ Feuerlöschtruppe auch schon zur Stelle (was zu der Vermutung führte, dass manche dieser Brände nicht zufällig ausbrachen). Den verzweifelten Besitzern konnte Crassus die verkohlten Überreste meistens noch am gleichen Tag zum Spottpreis abschwatzen, woraufhin er die Gebäude notdürftig wieder errichtete und weitervermietete. So wurde er zum größten Immobilienbesitzer Roms und einer der reichsten Männer der Republik.

Bei seinem militärischen Kommando gegen Spartakus sollte nun nichts mehr schief gehen, deshalb griff er zu drakonischen Maßnahmen seinen Truppen gegenüber. Der Thraker besiegte nämlich kurz nach Crassus Kommandoübernahme einen römischen Unterführer, Mummius, der zwei Legionen kommandierte, während Crassus dank seiner finanziellen Mittel sogar sechs Legionen ausheben konnte. Die besiegten Truppen mussten die Dezimation über sich ergehen lassen. Das heißt, dass durch das Los jeder zehnte aus der Truppe, die durch die Niederlage Schande über sich gebracht hatte, ausgewählt und hingerichtet wurde (unser heutiges Wort „dezimieren“ stammt von dieser rabiaten Maßnahme, zu der römische Feldherren nur in absoluten Notsituationen griffen). Doch das harte Durchgreifen des Crassus sollte sich lohnen. Von nun an wussten die Legionäre, um was es ging, wenn sie gegen die Sklaven antraten, und brachten diese bald an den Rand der Niederlage.

Spartakus, ein offenes Treffen scheuend, denn sein jetziger Gegner Crassus war von anderem Format als seine bisherigen Kontrahenten, zog sich nach Süditalien zurück und ließ sich im Winter 72/71 in der Stiefelspitze Italiens, in Kalabrien, von Crassus‘ Heer einschließen. Dieser drängte allerdings auch nicht auf eine Entscheidungsschlacht, sondern wollte das Problem des Sklavenaufstandes durch Hunger von selbst lösen lassen. Seine Soldaten hoben einen gewaltige Graben von Küste zu Küste aus. Mit dieser gewaltigen Energieleistung wurden die Sklaven vom Land abgeschnitten und hatten im Rücken nur noch die See. Dort allerdings lag das reiche und anfällige Sizilien, auf dem es immer noch gärte, trotz der Beendigung der Sklavenaufstände von 136 -132 und 104 -101. Das Meer schien ein unüberwindliches Hindernis zu sein. Deshalb knüpfte Spartakus Verbindungen zu den kilikischen Seeräubern, offenbar schon, während er sich von Crassus in den Süden abdrängen ließ. Die Piraten sackten zwar eine reichliche Vorauszahlung ein, hielten aber ihren Teil des Vertrages nicht. Sie erschienen nicht vor der Küste Kalabriens, um die Sklaven nach Sizilien überzusetzen. Warum sie Spartakus betrogen, ist unbekannt. Obwohl sie eine große Belohnung erhalten hätten, scheuten sie wohl den gewaltigen Zorn, den eine solche Unterstützung in Rom ausgelöst hätte, denn den Roms Zorn haben nur wenige Völker je überlebt.

Die Sklaven waren nun beinahe am Ende. Die karge Südspitze Italiens war gab bald keine Nahrung mehr her, Hunger und Krankheiten machten sich breit. Spartakus versuchte durchzubrechen, doch die Befestigungen des Crassus hielten den Ausbruchsversuch der Sklaven auf, die angeblich 12.000 Mann verloren. Es sah so aus, als würden sich die Sklaven mit ihrem Schicksal abfinden und sich in den Tod ergeben. Crassus mag schon frohlockend nach Rom geblickt haben, wo man ihm für eine derartig unblutige Beendigung des gefährlichen Sklavenaufstandes gewiss einen Triumph gewährt hätte. Doch in einer stürmischen Frühjahrsnacht zu Beginn des Jahres 71 meldeten sich Spartakus und sein Sklavenheer in alter Frische und Kraft zurück. Ein erneuter Durchbruchsversuch hatte Erfolg, denn den Sklaven war es in der Nacht gelungen, einen Teil des Grabens mit getöteten Gefangenen und toten Tieren aufzufüllen. Erneut zog das Heer des Thrakers plündernd durch Italien bis nach Lukanien.

Crassus, der wohl die dunkelsten Tage seines Lebens durchlitt, bat den Senat, Pompeius und Lukullus aus Spanien und Asien zurückzurufen, um Spartakus endlich zu besiegen. Wie sehr er sich wohl später über diese Voreiligkeit geärgert hat, können wir nicht sagen, aber offenbar hatte er seinen Schwermut schnell überwunden und er setzte alles daran, die Sklaven nun möglichst schnell aus dem Weg zu räumen, damit ihm die heimkehrenden Heere nicht den Ruhm klauten – was Pompeius aber dennoch tun würde.

Wie lang Spartakus die Römer wohl noch auf Trab gehalten hätte, wenn ihm die wilden Kelten nicht wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht hätten, können wir nicht einschätzen. Erneut schienen die Kelten mit der Art, wie Spartakus das Heer führte, nicht mehr zufrieden zu sein und trennten sich vom Hauptheer. Die lange kampflose Zeit, hungernd eingeschlossen im ärmlichen Kalabrien, ließ sie offenbar die Lektion vergessen, die sie mit der Niederlage des Krixos hätten lernen sollen.

Die keltischen Truppen unter ihren Anführern Gannius und Castus wurden sogleich von Crassus im eigenen Lager überrascht und geschlagen. Der totalen Vernichtung entgingen sie nur, weil Spartakus herbeieilte, um sie zu retten. Dennoch, scheinbar ohne jegliche Vernunft, bestanden sie auf der vollzogenen Trennung, und das sollte das Todesurteil für die Sklaven bedeuten.

Spartakus lagerte auch danach noch in der Nähe der Kelten, um sie notfalls wieder herauszuhauen. Nun aber stellte auch Crassus unter Beweis, dass er durchaus ein fähiger Kommandeur war. Er ließ nachts heimlich den Grossteil seiner Truppen vom Hauptlager in ein Nebenlager verlegen und griff die Kelten dann am Morgen mit seiner gesamten Streitmacht an. Er vernichtete sie, und Spartakus, überrascht durch das taktische Manöver seines Kontrahenten, kam zu spät, um rettend eingreifen zu können. Als er die aussichtslose Lage der Kelten erkannte, zog er sich zurück. Crassus‘ Unterfeldherr, der Quästor Tremellius, griff ihn an, aber Spartakus konnte den Quästor schlagen.

Spartakus, der wieder nach Süditalien fliehen wollte, wurde von seinen siegessicheren und übermütigen Truppen zu einer Umkehr nach Lukanien gezwungen; das Ende seines Aufstandes nahte. Crassus erwartete die Schlacht ungeduldig, da Pompeius mittlerweile den Aufstand in Spanien beendet hatte. Sertorius, den Pompeius nie hatte schlagen können, wurde Opfer einer Verschwörung im eigenen Lager. Er wurde von seinen Offizieren unter der Führung des M. Perperna ermordet. Der unselige Perperna unterlag dem Pompeius dann im selben Jahr (72) in der Entscheidungsschlacht in Spanien. Nachdem Pompeius die Reste der aufständischen Iberer beseitigt und die spanische Provinz neu geordnet hatte (wobei sich Pompeius ein großes freundschaftliches Klientel schuf), zog er eiligst nach Italien, woher ihn der Hilferuf des Crassus erreicht hatte.

Spartakus traf bei Paestum auf die starken Verbände des Crassus. Er soll sein eigenes Pferd niedergestochen haben und gesagt haben, wenn sie heute verlören, würde er keins mehr brauchen und wenn sie gewännen, hätte er mehr Pferde, als er jemals brauchen würde. Er führte persönlich den Angriff auf das römische Lager. Die heldenmutigen, aber durch den Abgang der Kelten geschwächten Sklaven unterlagen der drückenden Übermacht des Crassus. Nur wenige kamen lebend davon. 6.000 gefangene Sklaven ließ Crassus entlang der Via Appia in Richtung Rom kreuzigen. Über das Schicksal des Spartakus ist nichts weiter bekannt, auch die Römer waren nicht in der Lage, seine Leiche zu finden oder ihn unter den Gefangenen zu identifizieren. Damit trat der Thraker ebenso geheimnisvoll ab, wie er damals aus dem Nichts aufgetaucht war, um das sieggewohnte Rom in seinen Grundfesten zu erschüttern und etlichen römischen Heeren Niederlagen beizubringen.

Crassus konnte seinen glänzenden Sieg allerdings nicht voll auskosten. Der gerade in Italien eingetroffene Pompeius besiegte 5.000 entkommene Sklaven, den erbärmlichen Rest des Spartakusheeres, und die römische Öffentlichkeit, die dem Pompeius zu Füssen lag, rechnete ihm den Sieg über die Sklaven an. Pompeius wurde ein Triumph zugestanden, während sich Crassus mit einem kleineren Einzug (Ovatio) zufrieden geben musste. Dennoch würden beide gemeinsam im Folgejahr das Konsulat bekleiden, und Caesar begann endlich seinen mühsamen Aufstieg zur Spitze der Macht.


Christian Ilaender, September 1996. Verbessert und korrigiert von Peter Mühlan, Januar 2003


Caesar


Zurück zur Hauptseite.